Wie lange muss man ein Aquarium für Garnelen einfahren? Der komplette Zeitplan

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Wie lange muss man ein Aquarium für Garnelen einfahren? Der komplette Zeitplan

Du hast gerade dein erstes Nano-Aquarium aufgestellt, Pflanzen eingesetzt, den Filter angeschlossen – und jetzt willst du endlich die ersten Garnelen einsetzen? Stop! Wenn du jetzt Tiere einsetzt, riskierst du ein Massensterben innerhalb von 24–48 Stunden.

Die Einfahrphase ist nicht optional – sie rettet deinen Garnelen das Leben. In diesem Guide erkläre ich dir genau, warum das Einfahren so wichtig ist, wie lange es wirklich dauert und was Woche für Woche in deinem Becken passiert.

Warum einfahren? Was passiert in den ersten Wochen im Becken

Ein frisch eingerichtetes Aquarium ist biologisch gesehen eine Wüste. Kein Biofilm, keine nützlichen Bakterien, keine Nahrungsgrundlage für Garnelen. Und noch schlimmer: Der Stickstoffkreislauf ist nicht etabliert.

Der Stickstoffkreislauf – das Herzstück jedes Aquariums

In jedem Aquarium entsteht organisches Material: Pflanzenreste, abgestorbene Mikroorganismen, später auch Kot und Futterreste. Dieses Material zersetzt sich und gibt Ammonium (NH₄⁺) ins Wasser ab. Bei pH-Werten über 7 wandelt sich ein Teil davon in hochgiftiges Ammoniak (NH₃) um.

Jetzt kommen die Helden ins Spiel: Nitrosomonas-Bakterien. Sie bauen Ammonium zu Nitrit (NO₂) ab. Klingt gut – ist es aber nicht. Nitrit ist für Garnelen extrem giftig. Schon 0,1 mg/l Nitrit blockiert die Sauerstoffaufnahme im Blut und führt innerhalb von Stunden zum Tod.

Die zweite Bakteriengruppe, Nitrobacter, wandelt Nitrit in Nitrat (NO₃) um. Nitrat ist in moderaten Mengen (unter 25 mg/l) ungefährlich und wird durch Wasserwechsel oder Pflanzenwachstum abgebaut.

Dieser Kreislauf muss erst entstehen. Ohne ihn sterben deine Garnelen an Nitritvergiftung – garantiert.

Was noch passiert während der Einfahrphase

  • Bakterienbesiedlung: Filter, Bodengrund, Wurzeln und Pflanzen werden von Milliarden Mikroorganismen besiedelt. Sie bilden die biologische Reinigungskraft deines Beckens.
  • Biofilm-Bildung: Ein dünner, leicht schleimiger Film aus Bakterien, Algen und Mikroorganismen überzieht alle Oberflächen. Für Babygarnelen ist das die Hauptnahrungsquelle in den ersten Lebenswochen.
  • pH-Stabilisierung: Frisches Leitungswasser kann noch schwanken. Die Karbonathärte (KH) muss sich einpendeln, damit der pH-Wert stabil bleibt.

Ohne Einfahren = keine Bakterien = Nitrit-Spike = tote Garnelen. So einfach ist das.

Die Standard-Antwort: 4–6 Wochen — aber es kommt darauf an

Die meisten Aquarianer sagen: „Lass dein Becken mindestens 4 Wochen einfahren.” Das ist keine willkürliche Zahl – es ist die Zeit, die der biologische Filter braucht, um stabil zu arbeiten.

Minimum 4 Wochen, besser 6 Wochen

  • 4 Wochen: Das absolute Minimum. Nach 4 Wochen sollte Nitrit auf 0 mg/l gefallen sein, wenn alles optimal läuft.
  • 6 Wochen: Die sichere Variante. Du hast einen Puffer, falls die Bakterienbesiedlung langsamer verläuft. Außerdem hat sich bis dahin dichter Biofilm gebildet – essentiell für Babygarnelen.

Meine Empfehlung: Plane 5–6 Wochen ein. Lieber eine Woche zu lange gewartet als eine Woche zu früh – Garnelen sind günstig, aber ihr Tod frustriert und kostet dich mehr Geld.

Faktoren, die die Einfahrzeit beeinflussen

Nicht jedes Becken braucht gleich lang. Diese Faktoren spielen eine Rolle:

FaktorEffekt auf Einfahrzeit
FiltertypSchwammfilter/HMF: Standard 4–6 Wochen
Außenfilter: oft schneller (mehr Oberfläche)
Kein Filter: deutlich länger (nicht empfohlen)
Temperatur20–24 °C: optimal
Unter 18 °C: Bakterienwachstum verlangsamt sich drastisch
Über 26 °C: beschleunigt, aber Stress für spätere Garnelen
StarterbakterienMit Präparaten wie JBL Denitrol: 3–4 Wochen möglich
Ohne: volle 4–6 Wochen
Filtermaterial aus AltbeckenÜberträgt sofort Millionen Bakterien → kann auf 2–3 Wochen verkürzen
Nur bei vertrauenswürdiger Quelle (Parasiten-Risiko)
PflanzenViele Schnellwachser (Wasserpest, Hornkraut): absorbieren Schadstoffe, beschleunigen leicht
Wenig/keine Pflanzen: verlängert sich

Wichtig: Auch mit Starterbakterien solltest du die 4-Wochen-Marke nicht unterschreiten, wenn du Anfänger bist. Die Chemie im Becken muss sich einspielen.

Woche für Woche: Dein Einfahrplan mit Checkliste

Jetzt wird’s konkret. So sieht die Einfahrphase Tag für Tag aus – mit den wichtigsten Meilensteinen und Aufgaben.

Woche 1: Grundstein legen

Was du tust:

  1. Becken mit Leitungswasser befüllen (oder aufgehärtetem Osmosewasser, falls du das nutzt)
  2. Filter anschalten (läuft ab jetzt 24/7 durch – niemals ausschalten!)
  3. Pflanzen einsetzen: Je mehr, desto besser. Besonders Schnellwachser wie Wasserpest, Javamoos, Hornkraut
  4. Kein Futter ins Becken geben – keine Garnelen, kein Fischfutter, nichts
  5. Optional: Starterbakterien nach Packungsanleitung dosieren

Was im Becken passiert:

  • Ammonium beginnt langsam aus zersetzten Pflanzenresten zu entstehen
  • Erste Bakterien siedeln sich an, aber noch in geringer Zahl
  • Wasserwerte sind noch chaotisch – tägliche Messungen bringen wenig

Checkliste Woche 1:

  • ✅ Filter läuft ohne Unterbrechung
  • ✅ Pflanzen eingesetzt
  • ✅ Beleuchtung auf Timer (8 Stunden/Tag, nicht mehr)
  • ✅ Temperatur zwischen 20–24 °C

Woche 2: Der stille Aufbau

Was du tust:

  1. Weiter nichts füttern
  2. Erste Wasserwerte messen: Ammonium/Ammoniak, Nitrit, Nitrat
  3. Kein Wasserwechsel – die Bakterien brauchen Zeit

Was im Becken passiert:

  • Ammonium steigt messbar an (0,5–2 mg/l sind normal)
  • Erste Nitrosomonas-Bakterien vermehren sich
  • Nitrit beginnt zu steigen – das ist der Moment, ab dem es gefährlich wird (für Garnelen, die noch nicht drin sind)

Typische Werte Ende Woche 2:

  • Ammonium: 1–3 mg/l
  • Nitrit: 0,1–1 mg/l (steigend)
  • Nitrat: 0–5 mg/l
  • pH: sollte stabil sein (wenn nicht: KH messen und ggf. anpassen)

Checkliste Woche 2:

  • ✅ Nitrit-Test vorhanden (Tröpfchentest, keine Streifen!)
  • ✅ Keine Panik bei steigendem Nitrit – das ist normal
  • ✅ Filter läuft weiterhin durch

Woche 3: Der Nitrit-Peak (gefährlichste Phase)

Was du tust:

  1. Täglich Nitrit messen
  2. Weiter kein Futter, kein Wasserwechsel
  3. Geduld bewahren – jetzt bloß keine Garnelen einsetzen!

Was im Becken passiert:

  • Nitrit erreicht seinen Höhepunkt (oft 2–5 mg/l, manchmal sogar höher)
  • Das ist die kritischste Phase: Würdest du jetzt Garnelen einsetzen, wären sie binnen Stunden tot
  • Nitrobacter-Bakterien beginnen langsam, Nitrit abzubauen
  • Nitrat steigt merklich an

Typische Werte Ende Woche 3:

  • Ammonium: fallend auf 0,5–1 mg/l
  • Nitrit: 2–5 mg/l (Peak!)
  • Nitrat: 10–25 mg/l
  • pH: stabil

Checkliste Woche 3:

  • ✅ Täglich Nitrit prüfen
  • Garnelen noch NICHT einsetzen
  • ✅ Filter reinigen? Nein! Bakterien nicht stören

Woche 4: Die Wende

Was du tust:

  1. Nitrit fällt langsam (jeden Tag messen)
  2. Sobald Nitrit unter 0,5 mg/l ist: erster Teilwasserwechsel (20–30 %)
  3. Wasser bei Wasserwechsel auf Temperatur bringen, langsam einfüllen

Was im Becken passiert:

  • Nitrit sinkt endlich Richtung 0 mg/l
  • Nitrat steigt weiter (das ist okay – wird durch Wasserwechsel kontrolliert)
  • Biofilm wird sichtbar: leichter Belag auf Scheiben, Wurzeln, Blättern – das ist gut!

Typische Werte Ende Woche 4:

  • Ammonium: 0 mg/l
  • Nitrit: 0,1–0,5 mg/l (fallend)
  • Nitrat: 25–50 mg/l (vor Wasserwechsel)
  • pH: stabil

Checkliste Woche 4:

  • ✅ Nitrit unter 0,5 mg/l
  • ✅ Erster Wasserwechsel durchgeführt
  • ✅ Biofilm sichtbar

Woche 5–6: Fast geschafft – die Sicherheitsphase

Was du tust:

  1. Nitrit muss 3 Tage hintereinander bei 0 mg/l liegen – dann ist das Becken bereit
  2. Letzter Check aller Wasserwerte: GH, KH, pH, Nitrit, Nitrat
  3. GH und KH einstellen (falls noch nicht geschehen):
    • GH: 6–15 °dGH (für Neocaridina)
    • KH: 3–10 °dKH
    • pH: 6,8–7,8
  4. Garnelen bestellen – sie können kommen!

Was im Becken passiert:

  • Stickstoffkreislauf ist stabil etabliert
  • Biofilm dichter – perfekte Startbedingung für Babygarnelen
  • Filter arbeitet zuverlässig

Typische Werte Ende Woche 5–6:

  • Ammonium: 0 mg/l
  • Nitrit: 0 mg/l (!!!)
  • Nitrat: unter 25 mg/l (nach Wasserwechsel)
  • pH: 6,8–7,8 (stabil über 3 Tage)

Checkliste vor dem Einsetzen der Garnelen:

  • Nitrit = 0 mg/l (mit Tröpchentest bestätigt)
  • ✅ Biofilm sichtbar (Scheiben leicht trüb, Wurzeln/Moos leicht belegt)
  • ✅ pH-Wert 3 Tage lang stabil
  • ✅ GH zwischen 6–15 °dGH
  • ✅ KH zwischen 3–10 °dKH
  • ✅ Nitrat unter 25 mg/l
  • ✅ Filter läuft seit mindestens 4 Wochen ununterbrochen

Wenn alle Punkte erfüllt sind: Go! Deine Garnelen können einziehen.

Wasserwerte während des Einfahrens: Was du wann messen musst

Die richtigen Wasserwerte sind das A und O beim Einfahren. Hier ist eine Übersicht, was du wann messen solltest – und was die Werte bedeuten.

Ammonium/Ammoniak (NH₃/NH₄⁺)

Warum wichtig: Ammonium ist die erste Stufe im Stickstoffkreislauf. Bei pH über 7 wandelt sich ein Teil davon in giftiges Ammoniak um.

Wann messen: Ab Woche 2

Zielwert:

  • Während Einfahren: Anstieg auf 1–3 mg/l ist normal
  • Vor Besatz: 0 mg/l

Was tun bei zu hohen Werten (über 3 mg/l):

  1. Wasserwechsel (20–30 %)
  2. Kein Futter ins Becken (auch wenn keine Tiere drin sind – Zersetzung produziert Ammonium)
  3. Starterbakterien nachdosieren

Nitrit (NO₂) – der kritischste Wert!

Warum wichtig: Nitrit blockiert die Sauerstoffaufnahme im Blut. Schon 0,1 mg/l sind für Garnelen tödlich.

Wann messen: Ab Woche 2, dann täglich bis 0 mg/l erreicht ist

Zielwert:

  • Während Einfahren: Peak von 2–5 mg/l in Woche 3 ist normal
  • Vor Besatz: 0 mg/l (nicht 0,1 – wirklich NULL!)

Was tun bei Nitrit über 0,1 mg/l nach 6 Wochen: → siehe Notfall-Abschnitt weiter unten


Nitrat (NO₃)

Warum wichtig: Nitrat ist das Endprodukt. Nicht akut giftig, aber über 50 mg/l verursacht Stress.

Wann messen: Ab Woche 3

Zielwert:

  • Während Einfahren: steigt auf 25–50 mg/l (normal)
  • Vor Besatz: unter 25 mg/l (durch Wasserwechsel senken)

Was tun bei zu hohen Werten:

  1. 30–50 % Wasserwechsel
  2. Mehr schnellwachsende Pflanzen einsetzen

pH-Wert

Warum wichtig: Stabilität ist wichtiger als der exakte Wert. Schwankungen stressen Garnelen mehr als ein konstanter, leicht suboptimaler pH.

Wann messen: Täglich in Woche 1, dann alle 2–3 Tage

Zielwert:

  • 6,8–7,8 für Neocaridina
  • Muss 3 Tage lang stabil sein vor Besatz

Was tun bei Schwankungen:

  1. KH prüfen (sollte mindestens 3 °dKH sein)
  2. Soil im Becken? Der senkt pH (gut für Caridina, aber nicht nötig für Neocaridina)

Gesamthärte (GH) und Karbonathärte (KH)

Warum wichtig:

  • GH liefert Mineralien für den Garnelen-Panzer (Calcium, Magnesium)
  • KH stabilisiert den pH-Wert

Wann messen: Zu Beginn einstellen, dann alle 1–2 Wochen kontrollieren

Zielwert:

  • GH: 6–15 °dGH (für Neocaridina)
  • KH: 3–10 °dKH

Wie einstellen:

  1. Leitungswasser in Deutschland meist geeignet (auf Wasserversorger-Website prüfen)
  2. Falls zu weich: mit SaltyShrimp Shrimp Mineral GH/KH+ aufhärten
  3. Falls zu hart: mit Osmosewasser verschneiden

Typische Werte pro Woche (Tabelle)

WocheNH₄/NH₃NO₂NO₃pHWas passiert
10–0,5 mg/l0 mg/l0 mg/lvariabelLangsamer Start
21–3 mg/l0,1–1 mg/l0–5 mg/lstabilisiertBakterien wachsen
30,5–1 mg/l2–5 mg/l10–25 mg/lstabilNitrit-Peak
40 mg/l0,1–0,5 mg/l25–50 mg/lstabilNitrit fällt
5–60 mg/l0 mg/lunter 25 mg/lstabilBereit für Garnelen

Wichtig: Diese Werte sind Durchschnittswerte. Dein Becken kann leicht abweichen – solange Nitrit am Ende bei 0 ist, ist alles gut.

Einfahren beschleunigen: Starterbakterien, Filtermaterial, Mulm — was hilft wirklich?

Du hast keine Lust, 6 Wochen zu warten? Verständlich. Es gibt Methoden, die Einfahrzeit zu verkürzen – aber nicht alle sind sicher.

Starterbakterien (z. B. JBL Denitrol, Seachem Stability)

Was ist das: Fertige Bakterienkulturen in Flaschen – du gießt sie ins Becken und beschleunigst die Besiedlung.

Funktioniert es: Ja, aber nicht magisch. Du kannst die Zeit auf 3–4 Wochen verkürzen, wenn du nach Packungsanleitung dosierst.

Empfehlung:

  • JBL Denitrol: günstig, weit verbreitet, funktioniert
  • Seachem Stability: etwas teurer, aber sehr zuverlässig
  • SaltyShrimp BacterAE: speziell für Garnelenbecken, fördert Biofilm

Wichtig: Auch mit Starterbakterien musst du warten, bis Nitrit auf 0 ist. Die Bakterien beschleunigen nur – sie ersetzen die Einfahrzeit nicht komplett.


Filtermaterial aus einem laufenden Becken

Was ist das: Ein Stück Filterschwamm, Filterwatte oder keramische Filtermedien aus einem bereits eingefahrenen Aquarium.

Funktioniert es: Ja, das ist die schnellste Methode. Du überträgst Millionen Bakterien auf einen Schlag. Die Einfahrzeit kann auf 2–3 Wochen sinken.

Wo bekommst du es:

  1. Freunde mit Aquarium fragen
  2. Aquaristik-Vereine oder Foren (z. B. Aquasabi-Forum)
  3. Garnelen-Shops bieten manchmal Starterkulturen an

Achtung – Risiko:

  • Übertragung von Parasiten (z. B. Planarien, Hydra) oder Krankheiten möglich
  • Nur von vertrauenswürdigen Quellen nehmen
  • Filtermaterial nicht trocknen lassen – in Beutel mit Aquarienwasser transportieren

Mulm oder „Dreck” aus einem Altbecken

Was ist das: Bodengrund-Absaugungen oder Mulm (organischer Schlamm) aus einem bestehenden Aquarium.

Funktioniert es: Jein. Mulm enthält Bakterien, aber auch organische Reste, die Ammonium freisetzen – das kann die Einfahrphase verlängern, wenn du zu viel nimmst.

Empfehlung: Lieber auf Filtermaterial setzen. Falls du Mulm nimmst: maximal eine Handvoll, nicht mehr.


Pflanzen (besonders Schnellwachser)

Was ist das: Pflanzen wie Wasserpest, Hornkraut, Javamoos, Muschelblumen.

Funktioniert es: Ja, aber indirekt. Pflanzen absorbieren Ammonium und Nitrat und bieten Oberfläche für Bakterien. Sie ersetzen aber nicht die Nitrifikations-Bakterien.

Empfehlung: Setze so viele Pflanzen wie möglich ein – das verkürzt die Zeit um 1–2 Wochen und verbessert die Wasserqualität langfristig.


Was NICHT hilft (häufige Irrtümer)

Mehr Futter ins Becken geben → Führt nur zu Ammonium-Überlastung. Lass es.

Tägliche Wasserwechsel → Spült die langsam wachsenden Bakterien weg. Kontraproduktiv.

Höhere Temperatur über 24 °C → Bakterien wachsen schneller, aber ab 26 °C wird es für spätere Neocaridina-Garnelen stressig. Halte 20–24 °C.

Garnelen „zum Einfahren” einsetzen → Das ist Tierquälerei. Die Garnelen sterben qualvoll an Nitritvergiftung. Tu es nicht.

Typische Fehler beim Einfahren — und wie du sie vermeidest

Auch erfahrene Aquarianer machen beim Einfahren Fehler. Hier sind die häufigsten – und wie du sie vermeidest.

Fehler 1: Garnelen zu früh einsetzen

Das Problem: Du denkst, „das Wasser sieht klar aus, passt schon” – und setzt nach 2 Wochen Garnelen ein. Innerhalb von 24–48 Stunden sterben sie an Nitritvergiftung.

Warum es passiert: Nitrit ist unsichtbar. Ohne Test merkst du nicht, dass es da ist.

Lösung:

  1. Nitrit muss bei 0 mg/l liegen – mit Tröpfchentest bestätigen, nicht mit Streifen
  2. Warte mindestens 4 Wochen, besser 5–6
  3. Keine Ungeduld – deine Garnelen danken es dir

Fehler 2: Zu viel füttern während der Einfahrphase

Das Problem: Manche denken, „die Bakterien brauchen Nahrung” – und kippen Fischfutter ins leere Becken. Das zersetzt sich, gibt Unmengen Ammonium frei und überlastet das System.

Warum es passiert: Missverständnis, wie Bakterien arbeiten. Sie ernähren sich von Ammonium aus natürlichen Quellen (zersetzende Pflanzenreste).

Lösung:

  1. Kein Futter während der Einfahrphase
  2. Pflanzen reichen als Ammoniumquelle
  3. Erst füttern, wenn Garnelen drin sind

Fehler 3: Tägliche Wasserwechsel

Das Problem: Du misst hohe Nitrit-Werte und denkst, „ich muss das Wasser wechseln, um es zu senken” – und machst täglich 50 % Wasserwechsel. Die Bakterien werden weggespült, die Einfahrzeit verlängert sich auf 8+ Wochen.

Warum es passiert: Logischer Gedanke, aber falsch. Die Bakterien brauchen Zeit und Stabilität.

Lösung:

  1. Kein Wasserwechsel in Woche 1–3 (außer Notfall bei Ammonium über 5 mg/l)
  2. Erster Wasserwechsel in Woche 4, wenn Nitrit sinkt
  3. Danach alle 1–2 Wochen 20–30 %

Fehler 4: Nitrit-Teststreifen statt Tröpfchentest

Das Problem: Teststreifen sind ungenau – sie zeigen oft „0 mg/l” an, obwohl noch 0,5 mg/l Nitrit im Wasser sind. Du setzt Garnelen ein, sie sterben.

Warum es passiert: Teststreifen sind bequem, aber nicht präzise genug für Nitrit.

Lösung:

  1. Tröpfchentest für Nitrit (z. B. JBL, Sera, Salifert)
  2. Kostet 8–12 €, rettet aber deine Garnelen
  3. Teststreifen kannst du für pH, GH, KH nutzen – aber nicht für Nitrit

Fehler 5: Kein Biofilm = hungrige Babygarnelen

Das Problem: Du wartest nur bis Nitrit bei 0 ist (Woche 4), setzt Garnelen ein – sie vermehren sich, aber die Babygarnelen verhungern, weil kein Biofilm da ist.

Warum es passiert: Biofilm braucht länger als der Stickstoffkreislauf.

Lösung:

  1. Warte 5–6 Wochen, nicht nur 4
  2. Biofilm sollte sichtbar sein (leichter Belag auf Scheiben, Wurzeln)
  3. Fördere Biofilm mit Präparaten wie SaltyShrimp BacterAE

Notfall: Was tun, wenn Nitrit nach 6 Wochen noch nicht bei 0 ist?

Du hast alles richtig gemacht, 6 Wochen gewartet – und trotzdem zeigt dein Nitrit-Test 0,5 mg/l oder mehr? Keine Panik. Das passiert manchmal. Hier ist dein Diagnose- und Maßnahmenplan.

Schritt 1: Ursachen checken

Gehe diese Liste durch (in dieser Reihenfolge):

  1. Läuft der Filter noch?

    • Manchmal schaltet sich die Pumpe ab oder der Durchfluss ist verstopft
    • Prüfen: Hand ans Becken – spürst du Strömung?
  2. Hast du gefüttert (obwohl keine Tiere drin sind)?

    • Futter = Ammonium = Überlastung
    • Falls ja: ab jetzt kein Futter mehr
  3. Ist die Temperatur zu niedrig?

    • Unter 18 °C wachsen Bakterien kaum
    • Mit Heizer auf 20–22 °C bringen (falls noch nicht)
  4. Hast du zu viele Wasserwechsel gemacht?

    • Bakterien brauchen Stabilität
    • Falls ja: ab jetzt nur noch 1× pro Woche max. 20 %
  5. Sind genug Oberflächen für Bakterien da?

    • Leerer Kiesboden = wenig Besiedlungsfläche
    • Lösung: Mehr Pflanzen, Wurzeln, Steine einsetzen

Schritt 2: Sofortmaßnahme

Wenn Nitrit über 1 mg/l liegt:

  1. Täglicher 30 % Wasserwechsel (Leitungswasser auf Temperatur bringen, langsam einfüllen)
  2. Kein Futter ins Becken
  3. Starterbakterien nachdosieren (z. B. JBL Denitrol nach Packungsanleitung)

Wenn Nitrit zwischen 0,1–1 mg/l liegt:

  1. Alle 2–3 Tage 20 % Wasserwechsel
  2. Starterbakterien nachdosieren
  3. Weiter täglich messen

Schritt 3: Geduld – manche Becken brauchen 8 Wochen

Nicht jedes Becken ist nach 4–6 Wochen fertig. Faktoren wie kaltes Wasser, wenig Pflanzen oder geringer Bakterien-Start können die Zeit verlängern.

Wichtig: Setze auf keinen Fall Garnelen ein, solange Nitrit über 0 mg/l liegt. Auch 0,1 mg/l ist tödlich.

Warte weiter, miss täglich – sobald Nitrit 3 Tage lang bei 0 mg/l bleibt, ist das Becken bereit.


Diagnose-Tabelle: Was bedeuten deine Werte?

SymptomWahrscheinliche UrsacheMaßnahme
Nitrit hoch (über 1 mg/l) nach 6 WochenZu wenig Bakterien, Filter verstopft, Temperatur zu niedrigFilterdurchfluss prüfen, Starterbakterien nachdosieren, Temperatur auf 20–22 °C
**Ammonium hoch (über 2 mg/l), Nitrit nied